Stand: 22.05.2026, Europe/Berlin.
Hinweis zur Einordnung: Dieser Beitrag unterscheidet zwischen belegbaren Tatsachen, Analyse und Bewertung. Er behauptet nicht, dass der Betrieb von unwoked.de als solcher illegal sei. Die Warnung bezieht sich auf die öffentlich erkennbare politische, ökonomische und infrastrukturelle Funktion des Projekts, auf seine Selbstdarstellung sowie auf dokumentierte Verbindungen und öffentliche Vorgänge im Umfeld des Projekts.
Worum es hier tatsächlich geht
unwoked.de erscheint nach außen zunächst als Merchandising- und E-Commerce-Angebot. Nach den öffentlich zugänglichen Informationen aus Impressum, Datenschutzseite, Handelsregister-Spiegelungen, Creator-Seiten und Selbstdarstellungen ist das Projekt jedoch deutlich weiter zu fassen: Es handelt sich nicht nur um einen Shop, sondern um den Versuch, politische Reichweite, digitale Communitys, Merchandise, Zahlungsströme und perspektivisch eigene Infrastruktur in einem rechten bis extrem rechten Medien- und Influencer-Milieu zu bündeln.
Betreiberin der Website ist nach dem Impressum die Unwoked GmbH mit Sitz in Windeck. Als Geschäftsführer wird Roger Beckamp genannt. Beckamp war nach der archivierten Abgeordnetenbiografie des Deutschen Bundestages Mitglied des Deutschen Bundestages für die AfD. Öffentlich zugängliche Registerspiegelungen führen die Unwoked GmbH beim Amtsgericht Siegburg unter HRB 19368. Als Gesellschaftsvertrag wird der 29. Dezember 2025 genannt, als Neueintragung der 6. März 2026. Das Stammkapital wird mit 25.000 Euro angegeben.
Der öffentlich wiedergegebene Unternehmensgegenstand nennt den Betrieb von Internetplattformen und Online-Shops für Merchandise, digitale Inhalte und Lizenzen, insbesondere für Influencer und vergleichbare Markenpartner. Genannt werden außerdem Konzeption, Entwicklung, Betrieb und Vermarktung von E-Commerce-Plattformen, ausdrücklich auch Shopify-Shops. Damit ist der Kern des Projekts bereits im Unternehmensgegenstand angelegt: Es geht um eine kommerzielle Infrastruktur für Personen, Kanäle und Marken mit politischer Reichweite.
Gesicherte Tatsachen
1. Betreiberstruktur
Das Impressum von unwoked.de nennt als Anbieterin die Unwoked GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Roger Beckamp. Als Anschrift wird Im Scheffengarten 3, 51570 Windeck angegeben. Die Website nennt außerdem eine Kontaktadresse mit der Domain unwoked.de.
Öffentlich zugängliche Handelsregister-Spiegelungen führen die Gesellschaft als Unwoked GmbH mit Sitz in Windeck beim Amtsgericht Siegburg unter HRB 19368. Dort werden als Datum des Gesellschaftsvertrages der 29. Dezember 2025 und als Eintragung der 6. März 2026 genannt.
2. Politischer Hintergrund des Geschäftsführers
Roger Beckamp wird im Webarchiv des Deutschen Bundestages als ehemaliger Bundestagsabgeordneter der AfD geführt. Dort wird er als Rechtsanwalt und AfD-Abgeordneter ausgewiesen. Diese Information ist relevant, weil unwoked.de nicht als unpolitischer Online-Shop auftritt, sondern seine Marktposition ausdrücklich mit Begriffen wie „Deplatforming“, „Cancel Culture“, „unabhängige Stimmen“, „alternative Medienszene“ und „wirtschaftlicher Selbstbestimmung“ begründet.
3. Inhaltliche Ausrichtung der Website
Die Website bewirbt sich nicht neutral als Textil- oder Lifestyle-Shop, sondern mit politisch codierten Selbstbeschreibungen. Auf der Seite erscheinen Formulierungen wie „Stelle deine Basiertheit zur Schau“ und „Klare Statements, sichtbar getragen“. Damit wird Kleidung nicht bloß als Ware, sondern als politisches Zugehörigkeitszeichen verkauft.
Auf der Website werden oder wurden Creator-Seiten unter anderem für Nikolai Binner, Honigwabe, Pfulsk, Naomi Seibt, Shlomo und UNBLOGD angezeigt. Sichtbar waren außerdem Produkt- oder Motivbezeichnungen wie „OK Libtard“, „Alle für Deutschland“, „RehMigration“, „Woke Mind Virus“, „Hate Speech Butterfly“ und „Remigration Alliance“. Diese Begriffe sind keine neutralen Produktnamen. Sie markieren ein politisches Milieu, in dem Anti-Woke-Rhetorik, rechte Identitätsbildung und Feindbildkommunikation in verkaufbare Produkte übersetzt werden.
4. Technische und wirtschaftliche Infrastruktur
Die öffentliche Selbstdarstellung des Projekts spricht von wirtschaftlicher Unabhängigkeit, Schutz vor Deplatforming und dem Aufbau eigener Strukturen. Der aktuelle technische und wirtschaftliche Ist-Zustand zeigt jedoch Abhängigkeiten von etablierten Plattform- und Zahlungsdienstleistern.
Der öffentlich wiedergegebene Unternehmensgegenstand nennt ausdrücklich Shopify-Shops. Auf der Website wird ein Shopify-Theme angezeigt. Die Datenschutzerklärung nennt Shopify als Dienstleister und weist auf Datenverarbeitungen beziehungsweise Datenübermittlungen nach Kanada und in die USA hin. Dort wird außerdem ausgeführt, Shopify sei nicht nach dem Trans-Atlantic Data Privacy Framework zertifiziert. Als Zahlungsmethoden werden auf der Website unter anderem PayPal, Klarna, Google Pay, Apple Pay, Mastercard und Visa angezeigt.
Das ist für die Bewertung zentral: Die Rhetorik des Projekts spricht von Souveränität und Gegeninfrastruktur. Der sichtbare technische Betrieb ist jedoch weiterhin an zentrale transnationale E-Commerce-, Zahlungs- und Dateninfrastrukturen gebunden.
Chronologie: Von der Gründungsidee bis zum öffentlichen Rollout
29. Dezember 2025: Gesellschaftsvertrag
Öffentliche Registerspiegelungen nennen den 29. Dezember 2025 als Datum des Gesellschaftsvertrages der Unwoked GmbH. Damit liegt die formale Gründungsgrundlage noch im Jahr 2025.
6. März 2026: Neueintragung
Die Neueintragung der Unwoked GmbH wird in öffentlich zugänglichen Registerspiegelungen mit dem 6. März 2026 angegeben. Dies ist der belastbarere öffentlich nachvollziehbare Zeitpunkt für die Eintragung der Gesellschaft.
24. April 2026: Öffentlicher Rollout
Ein Instagram-Post des Projekts kündigte am 24. April 2026 an, das neue unwoked sei live. Bereits in der frühen öffentlichen Phase setzte das Projekt sichtbar auf Creator-Kooperationen, Community-Monetarisierung und politisch aufgeladene Markenbildung.
April 2026: Sellner-Komplex in Düsseldorf
Im April 2026 wurde öffentlich über einen Auftritt von Martin Sellner in einer Düsseldorfer Oldiebahn berichtet. Die Rheinbahn erklärte am 9. April 2026, ein österreichischer Rechtsextremist habe am 8. April 2026 auf X über einen Vortrag in einer Oldiebahn berichtet. Nach internen Recherchen bestätigte die Rheinbahn, dass der Vortrag tatsächlich in einer Oldiebahn stattgefunden habe. Die Fahrt sei als private Veranstaltung angemeldet worden; die Rheinbahn erklärte, die tatsächliche Nutzung sei verschleiert worden.
BILD berichtete am 26. April 2026, Beckamp habe auf Anfrage bestätigt, dass seine Firma Unwoked den Auftritt von Martin Sellner unterstützt habe. t-online griff den Vorgang ebenfalls auf. Dieser Vorgang ist für die Bewertung erheblich, weil er das Projekt nicht nur als Shop, sondern als Akteur in einem konkreten politischen Vernetzungs- und Unterstützungskontext erscheinen lässt.
21. Mai 2026: Programmatische Selbstauskunft
Am 21. Mai 2026 veröffentlichte der Deutschland-Kurier einen Gastbeitrag von Roger Beckamp zur Frage, warum Unwoked gegründet worden sei. Darin wird das Projekt ausdrücklich als Antwort auf Abhängigkeiten von Plattformen, Zahlungsdienstleistern, Werbenetzwerken und digitalen Distributionsstrukturen beschrieben. Der Text formuliert den Anspruch, nicht nur Produkte zu verkaufen, sondern Infrastruktur aufzubauen.
Besonders relevant ist dabei die Aussage: „Was wir bauen, ist kein Protest. Es ist Infrastruktur.“ Diese Formulierung bringt den Kern des Projekts auf den Punkt. Unwoked wird nicht als bloße Reaktion, nicht als Einzelshop und nicht als symbolische Protestmarke beschrieben, sondern als infrastrukturelles Aufbauprojekt.
22. Mai 2026: Vorgelegte PR-Mail
Die vom Nutzer vorgelegte Mail bezeichnet sich als Pressemitteilung und beschreibt Unwoked als „Wirtschaftsinitiative gegen Deplatforming und Cancel Culture“. Sie spricht von der Monetarisierung der „alternativen Medienszene“, von einem „alternativen Wirtschaftskreislauf“, von einem „Millionenpublikum“, vom Aufbau eines eigenen Versand- und Produktionsnetzwerks sowie von der Bereitstellung von Geschäftsadressen für weitere alternative Unternehmen.
Diese Mail konnte in genau dieser vorgelegten Form nicht vollständig als öffentliche Veröffentlichung unabhängig verifiziert werden. Inhaltlich stimmt sie aber in zentralen Punkten mit Beckamps programmatischem Gastbeitrag und mit projektnahem Medienecho überein. Deshalb ist sie als vorliegendes PR-Dokument und als Verdichtung der Projektlogik journalistisch verwertbar, sofern transparent gemacht wird, dass sie der Redaktion beziehungsweise dem Empfänger vorliegt und nicht vollständig als amtlich oder öffentlich publiziertes Dokument behandelt wird.
Die PR-Mail als Schlüssel zur Methode
Die vorgelegte Mail ist nicht nur Werbung. Sie beschreibt eine Methode.
Erstens wird eine politische Szene als ökonomischer Markt begriffen. Aus Publikum wird Kundschaft. Aus Zustimmung wird Kaufkraft. Aus digitaler Reichweite wird ein Geschäftsmodell. Das Projekt spricht nicht zufällig vom „Millionenpublikum“ im deutschsprachigen Raum und davon, dessen wirtschaftliche Kraft für gemeinsame Anliegen einzusetzen.
Zweitens wird Kritik vorab als Angriff gerahmt. Die Mail spricht von „verunglimpfendem Charakter“, „klassischem Framing“, „Diffamierung“, „Cancel Culture“ und dem Versuch, wirtschaftliche Alternativen „im Keim zu ersticken“. Damit wird jede kritische Prüfung des Projekts bereits im Voraus in eine Verfolgungserzählung eingeordnet.
Drittens wird ein wirtschaftliches Netzwerk angekündigt, das über einen Shop hinausgeht. Genannt werden eigene Webshops, Merchandising-Produkte, Versand- und Produktionsnetzwerke, Geschäftsadressen und ein alternativer Wirtschaftskreislauf. Damit wird aus einem E-Commerce-Projekt eine infrastrukturelle Milieubildung.
Viertens werden Medien, Influencer, Kooperationspartner und politische Anhängerschaften zugleich adressiert. Die Mail ist damit Rekrutierung, Selbstvergewisserung, Öffentlichkeitsarbeit und Abschirmung in einem. Sie versucht nicht nur, ein Produkt zu verkaufen, sondern ein Milieu zu stabilisieren.
Auffällige Abweichungen in der Selbstdarstellung
Die vorgelegte Mail spricht davon, die Unwoked GmbH sei „im Januar 2026“ gegründet worden. Öffentlich zugängliche Registerspiegelungen nennen jedoch den Gesellschaftsvertrag vom 29. Dezember 2025 und die Neueintragung am 6. März 2026.
Diese Abweichung muss nicht zwingend eine bewusste Täuschung sein. Sie ist aber relevant, weil ein Projekt, das sich rhetorisch gegen angebliche Verzerrung und mediale Manipulation positioniert, selbst präzise mit seinen eigenen Gründungsdaten umgehen sollte. Für eine faktenbasierte Darstellung ist daher sauber zu unterscheiden: Gesellschaftsvertrag laut Registerspiegelung am 29. Dezember 2025, Neueintragung laut Registerspiegelung am 6. März 2026, öffentliche PR-Darstellung mit Angabe „Januar 2026“.
Systemkritische Analyse
1. Unwoked verkauft nicht nur Ware, sondern Zugehörigkeit
Das zentrale Produkt von unwoked.de ist nicht das einzelne T-Shirt, der einzelne Hoodie oder der einzelne Sticker. Das zentrale Produkt ist Zugehörigkeit. Die Ware dient als Träger eines politischen Signals. Wer kauft, erwirbt nicht nur Stoff, sondern ein sichtbares Bekenntnis zu einem Milieu, das sich selbst als „unwoke“, „basiert“, widerständig, verfolgt und ausgegrenzt beschreibt.
Damit entsteht eine doppelte Funktion: Einerseits wird politische Identität kommerzialisiert. Andererseits wird Konsum als Beitrag zu einem politischen Lager gedeutet. Das ist wirksamer als normale Werbung, weil der Kauf moralisch aufgeladen wird. Wer kauft, unterstützt angeblich nicht nur einen Shop, sondern eine Gegenstruktur.
2. Empörung wird zum Geschäftsmodell
Die Kommunikation des Projekts arbeitet erkennbar mit einer klassischen Mobilisierungslogik: Kritik wird als Angriff dargestellt, Angriff erzeugt Solidarität, Solidarität erzeugt Kaufbereitschaft. Der Gegner wird damit ökonomisch verwertbar. Jede kritische Berichterstattung kann im eigenen Lager als Beleg dafür eingesetzt werden, dass das Projekt „gefährlich“, „notwendig“ oder „wirksam“ sei.
Diese Logik ist besonders problematisch, weil sie öffentliche Kritik nicht als demokratische Kontrolle behandelt, sondern als feindliche Handlung. Dadurch entsteht eine Immunisierung gegen journalistische Prüfung. Wer fragt, gilt als Teil des Problems. Wer recherchiert, wird als Akteur einer Kampagne markiert. Wer warnt, bestätigt angeblich nur die Notwendigkeit des Projekts.
3. Die Erzählung von Autonomie verdeckt reale Abhängigkeiten
Unwoked spricht von Unabhängigkeit, Deplatforming-Schutz und wirtschaftlicher Selbstbestimmung. Gleichzeitig zeigen Website, Datenschutzangaben und Zahlungsoptionen, dass das Projekt derzeit auf etablierte E-Commerce- und Zahlungsinfrastrukturen angewiesen ist. Shopify, PayPal, Klarna, Apple Pay, Google Pay, Mastercard und Visa sind keine Gegenökonomie. Sie sind zentrale Bestandteile des bestehenden digitalen Kapitalismus.
Das bedeutet: Die behauptete Souveränität ist gegenwärtig nicht vollständig realisiert. Sie ist vor allem ein politisches Versprechen und ein Mobilisierungsnarrativ. Der Shop verkauft die Vorstellung einer Gegenstruktur, während er praktisch weiterhin auf zentrale Plattform- und Zahlungsinfrastrukturen zurückgreift.
4. Das Projekt verbindet politische Kommunikation mit ökonomischer Infrastruktur
Besonders relevant ist die Verbindung aus Creator-Marken, politischem Milieu, Shop-Infrastruktur und angekündigten weiteren Diensten. Beckamps programmatische Selbstdarstellung nennt nicht nur Merchandise, sondern auch sichere Geschäftsadressen, regionale Produktion und langfristig sogar eigene Zahlungsdienstleister und Banken.
Hier entsteht eine politische Infrastrukturagenda. Es geht nicht nur darum, vorhandene Reichweite zu monetarisieren. Es geht darum, Abhängigkeiten innerhalb eines Milieus neu zu organisieren: Wer Reichweite hat, erhält Shop-Struktur. Wer Shop-Struktur nutzt, bindet seine Anhängerschaft ökonomisch. Wer ökonomisch stabilisiert wird, kann seine politische Kommunikationsmacht ausbauen. Daraus kann ein Kreislauf entstehen, in dem politische Radikalisierung, ökonomische Loyalität und infrastrukturelle Abschottung einander verstärken.
5. Geschäftsadressen als möglicher Transparenzkonflikt
Beckamps programmatische Darstellung kündigt an, sichere Geschäftsadressen für Blogger und kleine Publizisten schaffen zu wollen, die ihre Privatadresse nicht veröffentlichen möchten. Juristisch kann die Nutzung einer Geschäftsadresse legal und in bestimmten Fällen nachvollziehbar sein, insbesondere wenn Personen tatsächlich bedroht werden.
Systemkritisch liegt das Problem an einer anderen Stelle: Wenn politische Publizistik, kommerzielle Monetarisierung und infrastrukturelle Abschirmung zusammengeführt werden, kann öffentliche Verantwortlichkeit erschwert werden. Wer politische Öffentlichkeit erzeugt, Waren verkauft, Reichweite monetarisiert und zugleich Zustell- oder Verantwortlichkeitsstrukturen abschirmt, baut nicht nur Schutz, sondern potenziell Kontrollresistenz.
Gerade bei politisch aufgeladenen Projekten ist Transparenz keine Nebensache. Sie ist Voraussetzung öffentlicher Kritik, rechtlicher Verantwortlichkeit und demokratischer Nachvollziehbarkeit.
6. Der Sellner-Komplex verschiebt die Bewertung
Der dokumentierte Vorgang um Martin Sellners Auftritt in einer Düsseldorfer Oldiebahn ist für die Bewertung von unwoked.de besonders relevant. Es geht nicht nur um einzelne Motive im Shop oder provokante Produktnamen. Nach Medienberichten soll Beckamp bestätigt haben, dass Unwoked die Veranstaltung mit Martin Sellner unterstützt habe. Die Rheinbahn wiederum erklärte öffentlich, die Fahrt sei als private Veranstaltung angemeldet worden, die tatsächliche Nutzung sei jedoch eine andere gewesen.
Damit tritt Unwoked nicht nur als Verkäufer politischer Produkte auf, sondern als Unterstützer eines konkreten Vorgangs im Umfeld eines Rechtsextremisten. Die AfD-Bundesspitze hatte nach Medienberichten im Februar 2026 gefordert, keine Parteiveranstaltungen mehr mit Martin Sellner durchzuführen. Vor diesem Hintergrund ist die Unterstützung eines Sellner-Auftritts durch eine von einem ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten geführte Firma politisch besonders aussagekräftig.
Warum die Verharmlosung als „Sticker-Verkauf“ nicht ausreicht
Die vorgelegte PR-Mail behauptet, Berichterstattung habe das Projekt als bloße „Sticker-Verkäufer“-Aktion herabgewürdigt. Eine solche Verharmlosung greift tatsächlich zu kurz. Allerdings nicht in dem Sinne, den die PR-Mail nahelegt.
Unwoked ist nicht gefährlich, weil dort Sticker, T-Shirts oder Hoodies verkauft werden. Unwoked ist politisch relevant, weil dort Ware, Reichweite, Milieu, Opfererzählung, Infrastruktur und Monetarisierung miteinander verbunden werden. Genau deshalb wäre es falsch, das Projekt nur als geschmacklose Provokation oder als Online-Shop mit rechter Kundschaft abzutun.
Der Kern liegt nicht im einzelnen Produkt. Der Kern liegt im Aufbau einer ökonomischen Stützstruktur für ein politisches Medien- und Influencerfeld. Die Kleidung ist das Eintrittstor. Die Infrastruktur ist der eigentliche Punkt.
Warnung vor unwoked.de
Warnung vor unwoked.de ist sachlich gerechtfertigt.
Nicht, weil Merchandising verboten wäre. Nicht, weil oppositionelle Meinungen keine wirtschaftlichen Strukturen haben dürften. Nicht, weil ein Online-Shop automatisch demokratiefeindlich wäre.
Die Warnung ist gerechtfertigt, weil dieses konkrete Projekt nach seiner Website, seiner Selbstdarstellung, seinen öffentlich sichtbaren Kooperationsstrukturen, den Registerinformationen, der vorgelegten PR-Mail und dem bisherigen öffentlichen Auftreten eine erkennbare Milieufunktion erfüllt.
Unwoked.de organisiert politische Identität als Ware. Es bündelt Creator-Reichweiten. Es übersetzt Empörung in Kaufakte. Es stellt Kritik als Angriff dar. Es bewirbt sich als Schutzstruktur gegen Deplatforming und Debanking. Es kündigt weitere infrastrukturelle Schritte an. Und es taucht nach Medienberichten im Kontext der Unterstützung eines Auftritts von Martin Sellner auf.
Diese Kombination macht unwoked.de nicht zu einem harmlosen Modeprojekt. Es macht das Projekt zu einem Baustein einer rechten bis extrem rechten Gegenöffentlichkeit, die nicht nur kommuniziert, sondern wirtschaftlich stabilisiert werden soll.
Bewertung
Aus systemkritischer Perspektive ist unwoked.de ein Beispiel dafür, wie politische Milieus versuchen, aus digitaler Reichweite dauerhafte ökonomische Strukturen zu formen. Das Projekt ist nicht bloß Ausdruck von Meinung. Es ist ein Versuch, Meinung, Markt, Szene und Infrastruktur miteinander zu verschalten.
Besonders problematisch ist die gleichzeitige Nutzung von Opfererzählung und Geschäftsmodell. Wer sich als Opfer von „Cancel Culture“ und „Deplatforming“ inszeniert, kann jede Kritik als Beleg der eigenen Erzählung nutzen. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreislauf: Kritik erzeugt Mobilisierung, Mobilisierung erzeugt Umsatz, Umsatz stabilisiert die Akteure, stabilisierte Akteure verstärken die politische Kommunikation.
Unwoked.de steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, in der rechte bis extrem rechte Kommunikationsmilieus nicht mehr nur um Aufmerksamkeit kämpfen, sondern um Infrastruktur. Es geht um Shops, Zahlungswege, Adressen, Logistik, Marken, Creator-Netzwerke und publizistische Selbstabsicherung. Wer diese Entwicklung nur als provokanten Onlinehandel betrachtet, unterschätzt ihre politische Funktion.
Schlussfolgerung
unwoked.de ist kein Modeprojekt mit politischem Beifang. Es ist ein politisches Infrastrukturprojekt, das Mode, Merchandise und Lifestyle als Eintrittstor nutzt.
Die entscheidende Warnung lautet daher: Wer dort kauft, unterstützt nicht einfach einen Shop. Er stärkt ein Netzwerk, das politische Reichweite ökonomisch nutzbar machen, rechte bis extrem rechte Akteure stabilisieren und Kritik als feindlichen Angriff umdeuten will.
Das ist der eigentliche Kern des Projekts. Nicht der Sticker. Nicht das T-Shirt. Nicht der Hoodie. Sondern die Umwandlung politischer Anhängerschaft in wirtschaftliche Infrastruktur.
Offene Fragen und Grenzen der Recherche
Einige Punkte bleiben derzeit öffentlich nicht abschließend belegbar. Die wirtschaftliche Größe des Projekts lässt sich nicht unabhängig feststellen. Öffentlich sichtbar sind Registerangaben, Website-Inhalte, Selbstdarstellungen und Medienberichte, nicht aber geprüfte Umsätze, interne Vertragsverhältnisse, tatsächliche Auszahlungen an Creator oder vollständige Beteiligungsstrukturen jenseits der öffentlich sichtbaren GmbH-Angaben.
Die vom Nutzer vorgelegte PR-Mail konnte in genau dieser Form nicht vollständig als öffentliche Veröffentlichung nachgewiesen werden. Sie wird deshalb als vorliegendes PR-Dokument behandelt, nicht als amtliche Quelle. Inhaltlich deckt sie sich jedoch in zentralen Punkten mit Beckamps öffentlicher Selbstdarstellung und projektnahem Medienecho.
Die Handelsregisterangaben wurden über öffentlich zugängliche Registerspiegelungen nachvollzogen.
Quellen und Belege
- unwoked.de – Startseite
- unwoked.de – Impressum
- unwoked.de – Datenschutzerklärung
- unwoked.de – Creator-Seite Naomi Seibt
- unwoked.de – Creator-Seite Pfulsk
- unwoked.de – Creator-Seite Shlomo
- unwoked.de – Creator-Seite UNBLOGD
- Online-Handelsregister – Unwoked GmbH, HRB 19368
- Deutscher Bundestag – Webarchiv Roger Beckamp
- Rheinbahn – Erklärung zum Missbrauch einer Oldiebahn
- BILD – Bericht zum Sponsoring des Sellner-Auftritts
- t-online Düsseldorf – Bericht zum Sellner-Auftritt und Unwoked
- Deutschlandfunk – AfD-Bundesvorstand zu Veranstaltungen mit Martin Sellner
- ZEIT – Bericht zu AfD und Martin Sellner
- Deutschland-Kurier – Gastbeitrag von Roger Beckamp zur Gründung von Unwoked
- Deutschland-Kurier – Projektnahe Einordnung zur BILD-Berichterstattung
